23. November 2012
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Kanzleialltag

Deutschlands Arbeitsgerichte (13) – Koblenz

 

Justizzentrum KoblenzDa sind wir wieder mit einem weiteren Arbeitsgericht – endlich!

In Koblenz war ich vor nicht ganz einem Jahr, Anfang Dezember. Zu diesem Zeitpunkt war das Arbeitsgericht seit knapp mehr als zwölf Monaten im neuen Justizzentrum eingezogen, nur wenige Straßen neben seinem früheren Standort.

Das Justizzentrum in Koblenz befindet sich auf dem früheren Betriebsgelände der Sektkellerei Deinhard, das vor rund 20 Jahren stillgelegt wurde und seitdem verfallende Industriebrache war. Es füllt damit das Innere eines Gebäudeblocks und verbindet zwei Straßenfronten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Durch den Neubau wird das alte Gebäude des Oberverwaltungsgerichts sowie des Verfassungsgerichtshofs am Deinhardplatz durch den gesamten Block mit der auf der anderen Seite an der Casinostraße gelegenen Staatsanwaltschaft verbunden. Die ersten Vorbereitungen für den Bau begannen schon im Jahr 2006. Der Neubau umfasst 12.000 m². Die Sicht von ganz oben zeigt die Ausmaße dieser Gebäudequader.

Das Justizzentrum von oben

Das Justizzentrum beherbergt insgesamt sieben Behörden, nämlich das Verwaltungsgericht, das Oberverwaltungsgericht und den Verfassungsgerichtshof, das Sozialgericht, die Staatsanwaltschaft und die Oberstaatsanwaltschaft, und eben auch das Arbeitsgericht Koblenz. Der gesamte Komplex wurde in nur 15 Monaten errichtet. Der Spatenstich war am 7. Mai 2009, Anfang November 2010 zog bereits das Arbeitsgericht als erster Nutzer ein. Ihm folgten das Sozialgericht und die Generalstaatsanwaltschaft im Dezember 2010. Die Staatsanwaltschaft zog im Januar 2011 nach. Die Bauarbeiten wurden durch einen katastrophalen Wasserschaden beeinträchtigt. Das neue Flachdach war freitags geflutet worden, um seine Dichtheit zu testen. Dann verabschiedeten sich die Handwerker ins Wochenende. Samstags waren die Wassermassen bereits bis in  den Archivkeller gelaufen. In der Folge mussten bereits fertige Böden aufgebohrt und Wände eingerissen werden, um sie wieder zu trocknen. Zusätzlicher Raumbedarf führte dazu, dass ein weiteres Geschoss  nachgeplant und aufgesetzt wurde.

Unter dem zentralen Eingang und den Geschossen, die vom Arbeits- und Sozialgericht genutzt werden, befinden sich die alten Kreuzgewölbe der Deinhard-Sektkellerei. Hohe Gewölbekeller aus gemauertem Stein liegen tief unten im Dunkeln. Um die darüber befindlichen Gebäude tragen zu können, wurden insgesamt 48 Betonstempel in den Boden gegossen. Auf diesen steht der Neubau.

Gewölbekeller unter dem HaupteingangKein AktenlagerStempel tragen die Last des Neubaus

Unter den Gebäudeteilen, die von der Staatsanwaltschaft genutzt werden, wurde ein neues Kellergeschoss errichtet. Die dort befindlichen Kreuzgewölbe der Sektkellerei waren – obwohl erst nach dem Krieg wieder aufgebaut – so marode, dass sie eingerissen und ersetzt wurden. Hier befindet sich nun eine hochmoderne Archivanlage, die insgesamt 14,6 km automatische Regalfläche bietet. Dennoch konnten immer noch nicht alle Akten untergebracht werden. Allerdings ist man hier mit der „wilden Archivierung″ einen ganz neuen Weg gegangen. Akten werden mit einem Barcodelabel versehen und dort abgelegt, wo sie gerade hinpassen –  ihr individueller Lagerort ist jederzeit auffindbar.

Die Akte bitte!

Das Justizzentrum gliedert sich in drei Ansichten. Der Neubau im Hof, in dem sich auch der zentrale Eingang befindet, zeichnet sich durch einen grau abgesetzten Erdgeschoßsockel aus, auf dem zurückgesetzte oder vorkragende Quader liegen.

HaupteingangNeubau von der WestseiteDas Justizzentrum Koblenz mit dem Neubau

Diese sind teilweise mit hell eloxierten Blechen verkleidet oder einfach nur verputzt. Schmale Fenster sind nach außen hin durch dunkel eloxierte Umrahmungen abgesetzt, zu den Innenhöfen dagegen hat man hierauf verzichtet. Es gibt zahlreiche zurückhaltend mit Natur begrünte Flächen.

Grüne Flächen lockern das Gesamtbild aufInnenhof im NeubauOstseite des Neubaus

.Der Neubau an der Casinostraße, in dem die Staatsanwaltschaft untergebracht ist, hat eine mit Fenstern durchbrochene Fassade, die ein bisschen an das Hundertwasser-Haus in Wien erinnert. Die dunkel abgesetzten Fensterumrandungen ragen unterschiedlich rechts oder links, oben oder unten aus der Fassade hervor, was in der Seitenansicht einen erstaunlich unregelmäßigen Eindruck ergibt, der die Fassade ungewöhnlich auflockert. Im Dachgeschoss hat man grasgrün eloxierte Verkleidungen verbaut. Dieses Grün findet sich auch an anderen Stellen des Gebäudes wieder, beispielsweise an Fensterverkleidungen oder Außenwänden.

Die STA an der CasinostraßeGrüne HighlightsDach in grasgrün

.Der Altbau am Deinhardplatz, in dem die Verwaltungsgerichte untergebracht sind, ist dagegen ein klassisches Satteldachgebäude, dessen Fenster durch steinerne Rahmen abgesetzt sind, ebenso wie die Einfahrt und der mit einem zweiflügeligen Portal versehene Eingang, über dem ein Natursteinbalkon hervorragt. Das Gebäude  wurde vom Keller bis zum Dach während des laufenden Betriebs saniert.

Portal aus alten ZeitenAltbau am Deinhardplatz

Wer das Justizzentrum durch den Haupteingang betritt, meint sich nicht in einem Gericht, sondern eher in der weitläufigen Lobby eines modernen Hotels. Mittelgrauer Steinfußboden und bequeme Sessel finden sich dort, die anstehenden Verhandlungstermine werden auf einer großen Bildwand dargestellt. Runde Säulen stützen den Raum, der durch rechteckige, fein gearbeitete Deckenlampen erleuchtet wird. Hier finden auch Dichterlesungen und Vernissagen statt.

Hier lässt's sich gut wartenDer EingangsbereichEher Lobby als Arbeitsgericht

Die Verhandlungssäle für Arbeits- und Sozialgerichte, die vom zentralen Flur rechts und links abgehen, weisen Haustechnik vom Feinsten auf. Jede Funktion lässt sich zentral und elektronisch steuern, Klimaanlage und Beamer runden neben den elegant von hinten beleuchteten Landeswappen das Bild ab.

Hier geht es zu den Verhandlungssälen Das beleuchtete LandeswappenHaustechnik vom Feinsten

Ausgestattet sind die Säle mit dezenten, holzverkleidete Tischmöbeln und dunklen Sesseln und Bestuhlung auf einem zeitlos klassisch gemusterten Teppich. Die Räume verfügen über bis zum Boden reichende Fenster und können durch elektrische Jalousien verdunkelt und durch verschiebbare Trennwände vergrößert werden.

Dezente TischmöbelDunkle Sessel und klassischer Teppich

Alles in allem hat man hier ein Justizzentrum für das 21. Jahrhundert geschaffen. Technisch lässt es kaum Wünsche offen und verbindet dies mit einer modernen, zeitlosen Architektur, die nicht langweilt.

Das Arbeitsgericht Koblenz

Vom Justizzentrum in Koblenz mag sich so mancher Gerichtsneubau inspirieren lassen. Nun warte ich auf eine Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Koblenz, in der sich auch der Beamer sinnvoll einsetzen lässt.

 

Die Serie widmet sich Deutschlands Arbeitsgerichten – den Gebäuden, ihrer Architektur und der Umgebung.

Hier geht es zu Teil 12 Karlsruhe, die vorhergehenden Teile finden Sie hier: Darmstadt, Duisburg, Ulm, Stuttgart, Berlin, Ravensburg, München, Saarbrücken, Köln, Siegburg, Frankfurt.

Tags: Arbeitsgericht Koblenz Arbeitsgerichte Architektur Deinhardpassage Justizzentrum Koblenz Serie

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