11. Januar 2016
Building Information Modeling
Real Estate & Public

Building Information Modeling nimmt Fahrt auf

Building Information Modeling: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt den Stufenplan Digitales Planen und Bauen vor.

„Wer zu lange zögert, riskiert den Anschluss zu verlieren″: Mit deutlichen Worten hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) am 15. Dezember 2015 den Stufenplan Digitales Planen und Bauen vorgestellt.

Der Stufenplan beschreibt bis zum Jahr 2020 die Festlegung der Mindestanforderungen an die Digitalisierung des Planungs- und Bauprozesses bei öffentlichen Ausschreibungen.

Empfehlung der Reformkommission Bau von Großprojekten

Der Grundstein des Stufenplans wurde im Jahr 2013 gelegt. Zu dieser Zeit rief das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Reformkommission Bau von Großprojekten ins Leben.

Die Ergebnisse der Kommission waren aus Sicht der Baubranche in vielen Fällen nicht überraschend: Es solle kooperativ geplant werden – im Idealfall vor Beginn der Bauausführung. Daneben empfahl die Kommission einen Ansatz, der aus den gegenwärtigen Diskussionen nicht mehr hinweggedacht werden kann: die Nutzung digitaler Methoden – Building Information Modeling.

Was genau ist Building Information Modeling?

Building Information Modeling beschreibt in der Darstellung des BMVI den Grundsatz: „Erst digital, dann real bauen″. Die Methode geht dabei weit über die seit Jahrzehnten praktizierte Methode der digitalen dreidimensionalen Modellierung hinaus. In einem Bauwerksmodell werden beim Building Information Modeling durch die Architekten und Ingenieure gemeinsam alle Planungsdaten zusammengefasst. Neben geometrischen Informationen können Bauteilen Eigenschaften zugeordnet werden, etwa Schalldurchlässigkeit, Feuerwiderstandsklassen oder Wartungsinformationen. Weist das Modell auch Daten zu zeitlichen Bauabläufen und Kosten aus, spricht man von einem 4D- oder 5D-Modell.

Das Bauwerksmodell dient zum einen als Grundlage für die störungsfreie Bauausführung und erlaubt zum anderen eine Optimierung der Bewirtschaftung und Instandhaltung der Immobilie.

Programm des Stufenplans

Der am 15. Dezember 2015 vorgestellte Stufenplan wurde federführend von der planen-bauen 4.0 GmbH ausgearbeitet, einem Zusammenschluss führender Verbände und Institutionen aus der Wertschöpfungskette Bau. Der Plan erstreckt sich über drei Stufen, an deren – vorläufigem – Ende im Jahr 2020 das Leistungsniveau 1 stehen wird:

  • Stufe 1 erstreckt sich vom heutigen Tag bis Mitte des Jahres 2017. Während dieser Vorbereitungsphase sollen erste Pilotprojekte durchgeführt werden, die noch nicht zwingend die strengen Voraussetzungen des angestrebten Leistungsniveaus erfüllen müssen. Daneben sollen zentrale Punkte wie die Standardisierung und die vertragsrechtliche Erfassung der neuen Methode vorangetrieben werden.
  • In der erweiterten Pilotphase in der Zeit von Mitte 2017 bis 2020 soll eine größere Anzahl von Pilotprojekten auf Grundlage des Leistungsniveaus 1 durchgeführt werden, um den Erfahrungsschatz auszubauen.
  • Schließlich sieht die dritte Stufe ab dem Jahr 2020 die verbindliche Festlegung der Anforderungen an die Digitalisierung von Planung und Bau vor – das Leistungsniveau 1.

Hinter dem Begriff Leistungsniveau 1 verbergen sich insbesondere drei Prozesse, die sich unter den Schlagworten „Auftraggeber-Informations-Anforderungen″ (AIA), „Building Information Modeling-Abwicklungsplan″ (BAP) und „gemeinsame Datenumgebung″ zusammenfassen lassen:

  • Die AIA sind von dem Auftraggeber im Vorfeld des Vorhabens zu definieren. Es handelt sich um das Programmheft, das die zu erbringenden Building Information Modeling-Leistungen in ihrem jeweiligen Detaillierungsgrad für das konkrete Vorhaben beschreibt.
  • Der BAP beschreibt die zeitliche Dimension der Erbringung der Building Information Modeling-Leistungen. Hier ist beispielsweise festgelegt, wann und wie oft Planungsbesprechungen mit Kollisionsprüfungen durchzuführen sind.
  • In der gemeinsamen Datenumgebung ist das Bauwerksmodell mit allen Teilmodellen zentral hinterlegt. Hierdurch soll eine kooperative und partnerschaftliche Zusammenarbeit unter den Beteiligten und ein verlustfreier Austausch der Daten sichergestellt werden.

Der Weg zum Building Information Modeling – ein Ausblick

Der vorgestellte Stufenplan ist zunächst nur für die öffentlichen Ausschreibungen im Zuständigkeitsbereich des BMVI verbindlich. Es ist zu erwarten, dass sich – abhängig von den Ergebnissen der erweiterten Pilotphase bis zum Jahr 2020 – weitere Bundes- und Landesbehörden dem Stufenplan anschließen oder ähnliche Anforderungsprofile etablieren werden. Positive Erfahrungswerte werden dazu führen, dass private Bauherren nachziehen.

Mit welcher Geschwindigkeit sich der mit dem Stufenplan beabsichtigte Prozess der Digitalisierung in breiter Anwendung durchsetzen wird, lässt sich auch mit dem Stufenplan noch nicht vollständig vorhersagen. Den vom BMVI beschworenen Anschluss dürfte gegenwärtig noch niemand verloren haben. Im Interesse der eigenen Wettbewerbsfähigkeit wird jedoch mittelfristig jeder Baubeteiligte – einschließlich der Rechtsberater – gut daran tun, die Entwicklungen genau zu beobachten und sich auf die notwendigen Veränderungen vorzubereiten.

Tags: Building Information Modeling Real Estate & Public

Jan Philipp Wimmer

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