22. April 2016
Automobilindustrie Russland
International

Automobilindustrie in Russland: Durchhalten trotz Umsatzrückgang

Die Automobilindustrie steht in Russland vor einigen Herausforderungen. Trotzdem hält sie aktuell am Markt fest.

Die Automobilindustrie in Russland durchlebt schwierige Zeiten. Durch eine zielstrebige Industriepolitik ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die internationalen Hersteller erfolgreich ins Land zu holen. Praktisch alle großen Hersteller produzieren mittlerweile in Russland, um den unbestritten großen und im europäischen Vergleich weiterhin unterversorgten Markt zu bedienen.

Der Umsatz bricht ein

Nun aber bricht der Markt ein: Der Umsatzrückgang der Automobilindustrie in Russland wird für 2015 auf 36 Prozent beziffert. Grund hierfür ist zum einen der Wertverlust des Rubels. Zum anderen hat die einseitige Ausrichtung auf den Energiesektor zu einer allgemeinen wirtschaftlichen Krise geführt.

Die Wirtschaftssanktionen im Zuge der Ukrainekrise verstärken diesen Abwärtstrend. Als im Dezember 2014 der Rubel regelrecht abstürzte, führte dies für die Autoindustrie zu kurzfristigen Verkaufsspitzen, insbesondere im hochpreisigen Segment. Bei dieser Flucht in die Sachwerte wurden offenbar vielfach Käufe vorgezogen, die im laufenden Jahr jetzt ausbleiben.

Produktion wird massiv gesenkt

Die Automobilindustrie in Russland reagiert darauf mit einem massiven Herunterfahren der Produktion. Bislang bleiben Entlassungen im großen Stil allerdings aus. Lediglich Opel hat die gerade erst aufgebaute Produktion bei St. Petersburg gänzlich eingestellt und sich dauerhaft aus dem Markt verabschiedet.

Die anderen Hersteller scheinen entschlossen, ihre Position zu halten. Erst im September ist VW planmäßig einen weiteren Schritt zur Lokalisierung gegangen und hat eine Motorenfertigung eröffnet. Ein Rückzug aus dem russischen Markt insgesamt ist folglich nicht zu beobachten.

Die Schwäche des russischen Markts führt jetzt zu Überlegungen, in Russland produzierte Fahrzeuge zu exportieren, was bisher noch kaum geschieht. Kurzfristig wird dies eher keine Entlastung für die russischen Produzenten bringen.

Neue Probleme mit Investitionsverträgen

Der schwache Rubelkurs wirkt sich nicht nur auf die Verkaufszahlen aus: Er bringt auch das gesamte russische Fördersystem für den Automobilsektor aus dem Gleichgewicht. Um die Verlagerung der Produktion nach Russland zu fördern, hatte der russische Staat mit den Produzenten Investitionsverträge abgeschlossen. In diesen verpflichten sich die Produzenten über eine gewisse Laufzeit die Wertschöpfung im Land zu erhöhen. Derzeit liegt die Verpflichtung meist bei einer lokalen Wertschöpfung von 40 Prozent; eine Steigerung auf 60 Prozent steht an.

Bislang konnten diese Ziele, trotz der bekannten Schwierigkeiten lokale Zulieferer zu finden, erreicht werden. Mit dem verfallenden Rubelkurs steigt jetzt aber der Wert des importierten Materials im Vergleich zu den in Russland produzierten Waren. In der Folge sind die vereinbarten lokalen Prozentsätze nicht mehr erreichbar. Eine Lösung für dieses Problem wird derzeit noch gesucht.

Mögliche Lösungsansätze

Diskutiert werden vor allem zwei verschiedene Ansätze: Der eine sieht die Anwendung des Rubelkurses zum Zeitpunkt des Abschlusses der jeweiligen Investitionsvereinbarung vor. Ein Entwurf des Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung hingegen will die Erhöhung des Lokalisierungsgrades sowohl hinsichtlich des Prozentsatzes als auch hinsichtlich technischer Lösungen nach hinten verschieben. Ein förmlicher Beschluss liegt aber noch nicht vor. Das Problem bleibt damit weiterhin ungelöst.

Offenbar ist die finale Regierungsposition noch nicht erarbeitet: Obwohl bis zum 1. März 2016 ein Konzept zur Entwicklung der russischen Automobilindustrie hätte erarbeitet werden sollen, liegt ein solches bislang nicht vor.

Die Automobilindustrie in Russland bleibt daher zunächst hochproblematisch und wird sich wohl nicht kurzfristig erholen. In der langfristigen Perspektive ist Russland aber zu interessant, um einen Abzug vom Markt zu rechtfertigen.

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Tags: Automobilindustrie Russland


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