5. November 2020
Aktiendividende Hauptversammlungssaison 2020
Aktienrecht Banking & Finance Corporate / M&A

Aktiendividende in der Hauptversammlungssaison 2020

Cash-Ersparnis in Millionen Höhe sowie durchschnittliche Teilnahmequote von 46,2% unterstreichen auch im Jahr 2020 die positive Wirkung der Aktiendividende.

Die Hauptversammlungssaison 2020 neigt sich langsam dem Ende zu und auch in diesem Jahr haben wieder zahlreiche Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihren Aktionären eine Dividende in Form von Aktien (die sogenannte „Aktiendividende″ oder auch „Scrip Dividend″) anzubieten.

Die sehr positiven Teilnahmequoten in diesem Jahr von überwiegend mehr als 40 % geben einerseits den Entscheidungsträgern recht, dieses Kapitalmarkinstrument im Rahmen ihrer Finanz- bzw. Liquiditätsstrategie einzusetzen, zeigen andererseits aber auch das große Vertrauen der Aktionäre in die zukünftige Entwicklung des jeweiligen Unternehmens.

Aktiendividende als Option zur Stärkung des Eigenkapitals und der Liquidität, insbesondere auch während der Corona-Pandemie

Im Hinblick auf die anhaltende Corona-Pandemie hat sich die deutsche Wirtschaft seit Beginn der Krise teilweise zwar wieder erholt, allerdings ist aufgrund des anhaltenden Infektionsgeschehens im In- und Ausland sowie der daraus resultierenden neuen Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie ein weiterer Abschwung im kommenden Jahr nicht auszuschließen. Bei einzelnen Unternehmen könnte dies erneut zu einem erhöhten Bedarf an Eigenkapital und Liquidität führen. Die Aktiendividende kann für jedes Unternehmen, das trotz der Krise plant, eine Dividende für das Geschäftsjahr 2020 auszuschütten, eine Option zur unkomplizierten und rechtssicheren Stärkung des Eigenkapitals und der Liquidität sein.

Bei der Aktiendividende steht neben der Wahlmöglichkeit für die Aktionäre, sich entweder für die Ausgabe der Dividende in Form von Aktien und/oder der Barzahlung zu entscheiden, insbesondere die Cash-Ersparnis durch Reduzierung des als Bardividende auszuzahlenden Betrags im Vordergrund. Neben Unternehmen, die die Aktiendividende schon seit mehreren Jahren anbieten, wie die ENCAVIS AG, die Mensch und Maschine Software SE oder die Vonovia SE, nutzen 2020 auch wieder einige neue Unternehmen dieses Kapitalmarktinstrument zum ersten Mal, wie beispielsweise die LEG Immobilien AG.

Wesentliche Motive und Strukturierung

Die Cash-Ersparnis ermöglicht es, die Liquidität zu schonen und Möglichkeiten für Reinvestitionen oder den Schuldenabbau zu schaffen. Daneben hat die Aktiendividende weitere Vorteile:

  • Stärkung des Eigenkapitals;
  • Ausgleich heterogener Aktionärsinteressen (Thesaurierung vs. Dividende);
  • Erfüllung der Dividendenerwartung bzw. -ankündigung;
  • Einflussnahme auf die Aktionärsstruktur;
  • Möglichkeit der 10 %en-Kapitalerhöhung bleibt unberührt; und
  • schlanke Transaktionsstruktur.

Die Aktiendividende wird entweder als Sachkapitalerhöhung mit Bezugsrechten und der Ausgabe neuer Aktien strukturiert oder als Tausch von Aktien gegen Dividendenansprüche unter dem Ausschluss des Bezugsrechts und der Verwendung eigener Aktien. In beiden Fällen bildet ein Hauptversammlungsbeschluss die Grundlage der Maßnahme.

Der Transaktions- und Kostenaufwand für die Ausgabe einer Aktiendividende ist mangels einer Prospektpflicht im Vergleich zu prospektpflichtigen Transaktionen und im Verhältnis zu den eingesparten Mitteln wesentlich geringer und wird tendenziell auch günstiger, je öfter das Unternehmen seinen Aktionären die Aktiendividende anbietet.

Da die Aktionäre nicht verpflichtet sind, das Angebot anzunehmen, sondern auch lediglich die Ausschüttung in bar wählen können, ist die Möglichkeit der Aktiendividende aus Sicht der Aktionäre fast nur mit Vorteilen verbunden.

Rückblick auf die Hauptversammlungssaison 2020: Anbietende Unternehmen erzielen eine Cash-Ersparnis von insgesamt EUR 575,6 Mio.

Im Jahr 2020 haben insgesamt neun an der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassene Unternehmen die Aktiendividende angeboten. Die ENCAVIS AG hat ihren Aktionären diese Option bereits zum siebten Mal seit 2014 angeboten. Die Unternehmen LEG Immobilien AG, Hamburger Hafen und Logistik AG oder Hamborner Reit AG haben ihren Aktionären die Aktiendividende in diesem Jahr zum ersten Mal angeboten. Folgende Teilnahmequoten sowie Cash-Ersparnisse konnten die Unternehmen mit ihren Maßnahmen im Jahr 2020 erzielen:

Teilnahmequote in Prozent Cash-Ersparnis in EUR
DIC Asset AG 49,8 % ca. 16,2 Mio.
ENCAVIS AG 61,5 % ca. 15,2 Mio.
Grand City Properties S.A. 57,4 % ca. 67,6 Mio.
Grenke AG 34,4 % ca. 9,1 Mio.
Hamborner Reit AG 25,7 % ca. 6,8 Mio.
Hamburger Hafen und Logistik AG 73,3 % ca. 25,2 Mio.
LEG Immobilien AG 32,9 % ca. 84,6 Mio.
Mensch und Maschine Software SE 40,1 % ca. 4,1 Mio.
Vonovia SE 40,7 % ca. 346,8 Mio.

 

Die ENCAVIS AG sowie die Mensch und Maschine Software SE haben in Deutschland ihren Aktionären bislang am häufigsten das Angebot der Aktiendividende unterbreitet. Seit ihrer ersten Ausgabe im Jahr 2014 konnte die ENCAVIS AG durch die Aktiendividende bis einschließlich 2020 in der Summe eine Cash-Ersparnis von insgesamt rund EUR 58,3 Mio. erzielen. Der Mensch und Maschine Software SE gelang seit 2015 eine Cash-Ersparnis von insgesamt rund EUR 15,3 Mio. Bei den vier Maßnahmen der Vonovia SE seit 2017 ist eine Cash-Ersparnis von rund EUR 1,2 Mrd. aufgelaufen. Die DIC Asset AG hat in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt rund EUR 51,7 Mio. an Dividenden-Barzahlungen eingespart. Bei der Grand City Properties S.A., die seit 2018 jedes Jahr die Aktiendividende angeboten hat, liegt die Summe der Cash-Ersparnis bei rund EUR 130,2 Mio.

Ausblick auf die Dividendensaison 2021: Aktiendividende wird Thema bleiben und Unternehmen sollten sich frühzeitig um Vorbereitungen kümmern

Auch in der kommenden Dividendensaison wird die Aktiendividende Bestandteil vieler Hauptversammlungen sein. Neben den Maßnahmen, die sich aufgrund der individuellen Finanz- bzw. Liquiditätsstrategie ergeben, werden ggfs. auch die anhaltende Pandemie und ihre Folgen, einschließlich der konjunkturellen Unsicherheiten, mögliche Motive für das Angebot einer Aktiendividende sein.

Insbesondere im Vergleich zu prospektpflichtigen Kapitalmaßnahmen ist die Strukturierung einer Aktiendividende wesentlich einfacher und günstiger. Jedoch sollte die Planung bereits frühzeitig erfolgen und der notwendige Zeitaufwand für die tatsächliche Durchführung nicht unterschätzt werden. Für den Fall, dass man sich für eine Aktiendividende entscheidet, sollte spätestens vier Wochen vor Einberufung der Hauptversammlung 2021 mit den konkreten Vorbereitungen begonnen werden.

Tags: 2020 Aktiendividende Capital Markets Hauptversammlungssaison Kapitalmarktrecht


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.