19. Dezember 2016
Arbeitsrecht Winter
Arbeitsrecht

Schneeflöckchen, weiß Röckchen – Arbeitsrecht in Wintermonaten

Der Winter naht – Schnee bringt die Pendler wieder zur Verzweiflung. Zeit, den arbeitsrechtlichen Fragen zur Winterzeit auf den Grund zu gehen.

In weiten Teilen Deutschlands sind die letzten Winter relativ glimpflich abgelaufen. Schnee- und glatteisbedingte Staus, Ausfälle im öffentlichen Nahverkehr, Unfälle und Verspätungen beim Arbeitsantritt hielten sich in Grenzen.

Doch sobald der erste Schnee fällt, stellen sich wieder viele arbeitsrechtlichen Fragen, auf die wir im Folgenden eingehen.

Arbeitnehmer trägt Risiko des witterungsbedingten Zuspätkommens zur Arbeit

Grundsätzlich trägt der Arbeitnehmer das so genannte Wegerisiko. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass er pünktlich am Arbeitsplatz erscheint.

Kommt er zu spät und kann die geschuldete Arbeitsleistung deshalb nicht (mehr) erbringen, darf der Arbeitgeber sein Gehalt anteilig kürzen. Eine Ausnahme gilt dann, wenn ein „in seiner Person liegender Grund“ den Arbeitnehmer ohne sein Verschulden kurzfristig daran hindert, seine Arbeit zu erledigen, § 616 Abs. 1 BGB. Klassiker sind hier Verkehrsunfälle, in die der Mitarbeiter unverschuldet auf dem Weg zur Arbeit verwickelt wird, Todesfälle im engsten Familienkreis, die eigene Hochzeit oder Arztbesuche, die nicht außerhalb der Arbeitszeit erledigt werden können. In diesem Fall muss der Arbeitgeber den Lohn zahlen.

Aber weder Staus auf den Straßen noch eingeschneite Autos, defekte Autobatterien oder ausgefallene Straßenbahnen stellen einen Grund dar, zu spät zur Arbeit zu kommen. Der Arbeitnehmer muss solche Unwägbarkeiten im Winter berücksichtigen und sich im Zweifel früher als sonst auf den Weg zur Arbeit machen.

In der Praxis ist es allerdings so, dass viele Mitarbeiter flexible Arbeitszeiten haben. Sie können entsprechende Verspätungen ausgleichen, indem sie länger bleiben oder Guthaben vom Arbeitszeitkonto opfern. Viele Unternehmen haben darüber hinaus betriebsinterne Lösungen für den Fall eines verspäteten Arbeitsantritts bei Winterwetter gefunden. Nicht selten zeigt sich der Arbeitgeber auch kulant, wenn eine solche Verspätung die Ausnahme ist.

Nacharbeiten versäumter Arbeitszeit nur bei entsprechender Regelung

Soweit Arbeitszeitkonten oder flexible Arbeitszeiten im Unternehmen vereinbart wurden, stellt sich das Problem des Nacharbeitens von Arbeitszeit in aller Regel nicht. Ansonsten können Unternehmen und Angestellte im Rahmen der Gesetze und tariflichen Regelungen einvernehmliche Regelungen zur Nacharbeitszeit treffen. Der Arbeitgeber wird aber nicht einseitig anordnen können, dass sein Mitarbeiter an dem Tag des Zuspätkommens Arbeitszeit „hinten anhängt″.

Abmahnung für Verspätungen bei Schneefall nur in Ausnahmefällen

Kommen Angestellte zu spät zur Arbeit, dürfen sie grundsätzlich abgemahnt werden. Ist allerdings ein nicht planbares Ereignis, wie plötzlich einsetzender Schneefall oder ein umgestürzter Baum, Ursache für das Zuspätkommen, ist eine Abmahnung nicht möglich. Denn sie setzt nicht nur steuerbares Verhalten, sondern auch Verschulden voraus.

Kommt der Mitarbeiter hingegen bei winterlichen Straßenverhältnissen an mehreren Tagen hintereinander massiv zu spät zur Arbeit, wird man ihm vorwerfen können, dass er sich nicht früh genug auf den Weg zur Arbeit gemacht hat. In diesem Fall kann eine Abmahnung berechtigt sein.

Unfallversicherung kann auch bei witterungsbedingtem Unfall greifen

Hat der Mitarbeiter auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Nachhauseweg einen Unfall, so trägt in aller Regel die gesetzliche Unfallversicherung die verletzungsbedingten Kosten.

Voraussetzung ist allerdings, dass der Unfall auf direktem Wege zur Arbeit/von der Arbeit passiert ist. Umwege privater Natur, wie etwa ein Einkauf im Supermarkt, schließen das Eingreifen der gesetzlichen Unfallversicherung aus.

Wetterbedingte Umwege sind hingegen mitversichert. Ist beispielsweise eine Straße, die der Mitarbeiter sonst immer benutzt, aufgrund von Schnee oder Glatteis nicht oder nur eingeschränkt nutzbar, so darf der Arbeitnehmer einen Umweg nehmen. Er läuft dabei nicht Gefahr, den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung zu verlieren.

Risiko von Störungen im Betrieb trägt der Arbeitgeber

Führt ein massiver Wintereinbruch oder ein sonstiges Naturereignis zur betrieblichen Störung, wie etwa Strom- oder Heizungsausfall, Lieferengpässen etc., so trägt allein das Unternehmen das Risiko. Die Mitarbeiter haben einen Anspruch auf Vergütung – auch dann, wenn sie ihre Arbeitsleistungen wegen der Störung nicht erbringen können.

Tags: Arbeitsrecht Winter


justme
am 11.01.2017 um 16:46:59

Ich frage mich jedoch weshalb es ein in persönlicher Natur liegender Grund ist, wenn zum Beispiel dein Kind krank ist, aber nicht wenn du zu Hause komplett eingeschneit bist, sodass du nicht einmal zu Fuß weiter als 100m kommst.
Ich wohne sehr weit außerhalb und die „Straßen“ bzw. der Weg werden nicht geräumt, gestreut o.ä. Es wäre extrem gefährlich zu versuchen dort mit dem Auto raus zu kommen (auch mit Schneeketten und Co.). Es fahren sowie so selten Busse und an solchen Tagen -an denen ich mit dem Auto nicht weg komme- fahren natürlich gar keine. Wie man sich vorstellen kann, müsste ich auch weit mehr als 10 km laufen um zur nächsten Haltestelle in einem größeren Ort zu kommen. Der Schnee ist über Nacht gefallen, obwohl nicht viel vorher gesagt wurde. Ich war zufälliger Weise früher aufgestanden und habe es von dort an mehrfach versucht (mit dem Auto oder Bus) – vergebens.

Warum also wird man bei eigener Krankheit, eines Krankheitfalles des Kindes, bei einem Todesfall eines Angehörigen etc. bezahlt „freigestellt“, wenn man aber alles mögliche tut um zur Arbeit zu kommen, es die Natur und die Gesetze der Physik aber nicht zulassen, nicht?
Ich verstehe dabei den Sinn nicht. Ich -als „dummer“ Azubi- musste mir nun für den unfreiwilligen „freien“ Tag Urlaub nehmen und meine Kollegin (nicht-Azubi) nicht, da sie einen Home-Office-Zugang hat. Davon mal abgesehen, dass ich nichts dafür kann, dass ich nicht von zu Hause weg komme und mir kein Home-Office-Zugang gewährt wird (weil ich ein Azubi bin), bekomme ich auf der Arbeit sowie keine Aufgaben mehr und lerne dort nur für die Berufsschule (genau dies habe ich dann auch zu Hause getan). Also 1. Es gab keine Möglichkeit zur Arbeit zu kommen 2. Ich habe alles Mögliche versucht, rechtzeitig bescheid gegeben, Beweise (Fotos & Videos) geschickt usw. 3. Ich habe kein Home-Office-Zugang weil ich ein Azubi bin 4. Ich habe zu Hause das gleiche getan, was ich auch auf der Arbeit getan hätte (für die Schule gelernt)

Stefanie Klein-Jahns
am 13.01.2017 um 08:42:13

Das sind Wertungen, die der Gesetzgeber und z.T. auch die Rechtsprechung vorgenommen hat und denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer beugen müssen.

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