19. März 2018
Studie Investor Activism
Aktienrecht

Studie „Investor Activism″ von CMS und dem Bundesverband der Unternehmensjuristen veröffentlicht

CMS und BUJ haben in einer Studie untersucht, ob die Unternehmen in Deutschland auf die Herausforderungen durch aktivistische Investoren vorbereitet sind.

Der Begriff des „Investor Activism″ bezeichnet die aktive Einflussnahme von Investoren auf börsennotierte Unternehmen. In den vergangenen Jahren haben die Tätigkeiten aktivistischer Investoren in Deutschland erheblich zugenommen.

Aktivistische Aktionäre

In den meisten Fällen handelt es sich dabei um aktivistische Aktionäre („Shareholder Activism″), deren Einflussnahme auf eine Steigerung des Börsenkurses abzielt.

Ihre Vorgehensweise ist vielgestaltig: Die meisten aktivistischen Aktionäre beschränken sich auf den – mehr oder weniger – intensiven Austausch mit dem Management, beispielsweise die großen Vermögensverwalter und Pensions- bzw. Staatsfonds oder Family Offices. Andere, vor allem Finanzinvestoren, versuchen Einfluss auf die Unternehmensstrategie zu gewinnen und lassen sich auch in die Aufsichtsgremien wählen. Schließlich gibt es aggressive Hedgefonds, die durch öffentliche Kampagnen massiven Druck auf das Management ausüben oder Sondersituationen des Unternehmens (z. B. Übernahmen) ausnutzen wollen.

Short Seller und Short Attacks

Im Gegensatz zu den aktivistischen Aktionären setzen Leerverkäufer (Short Seller) auf einen fallenden Börsenkurs. Ein in Deutschland neueres Phänomen ist die sogenannte „Short Attack″, bei der die Short Seller durch die Veröffentlichung kritischer Stellungnahmen aktiv auf einen fallenden Börsenkurs hinwirken.

Zuletzt sind ProSiebenSat.1 und Wirecard – schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren – Ziel eines solchen Angriffs geworden. Zuvor waren bereits ThyssenKrupp, die Beteiligungsgesellschaft Aurelius und der Werbekonzern Ströer attackiert worden, was teilweise zu Kursverlusten von bis zu 40 % geführt hat. Neben Kursverlusten drohen den betroffenen Unternehmen massive Reputationsschäden. Die derzeit hohe Volatilität an den Börsen begünstigt das Geschäft der Leerverkäufer, denn nervöse Anleger sind schneller und zu niedrigeren Kursen bereit, ihre Aktien zu verkaufen.

Studie: Sind deutsche Unternehmen ausreichend vorbereitet?

Als Wirtschaftskanzlei nehmen wir einen erhöhten Gesprächs- und Rechtsberatungsbedarf börsennotierter Unternehmen zum Thema Investor Activism wahr. Gemeinsam mit dem Bundesverband der Unternehmensjuristen e.V. (BUJ) haben wir daher recherchiert, ob die Unternehmen ausreichend auf die mit den Aktivisten einhergehenden Herausforderungen vorbereitet sind. Dies betrifft nicht nur die Rechtsabteilungen, sondern beispielsweise auch die Bereiche Unternehmenskommunikation, Investor Relations, Finanzen sowie Rechnungslegung und natürlich den Vorstand.

Die Bedeutung des Themas zeigt sich auch daran, dass 102 börsennotierte Mitgliedsunternehmen des BUJ aus den unterschiedlichsten Branchen an der Studie teilgenommen haben. Sie gewährt also einen tiefen Einblick in diesen Praxisbereich börsennotierter Unternehmen in Deutschland.

Wesentliche Ergebnisse der Studie

Ein Teil der Studie beschäftigt sich mit dem Thema Shareholder Activism, das fast alle größeren börsennotierten Unternehmen schon seit längerem auf der Agenda haben. Der zweite Teil behandelt mögliche Attacken von Short Sellern, auf die bislang nur wenige Unternehmen vorbereitet sind.

Einige wesentliche Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Von 160 im August/September 2017 verschickten Fragebögen wurden 102 beantwortet – die Rücklaufquote beträgt somit 63,8 %.
  • An der Studie haben große, mittlere und kleine Aktiengesellschaften teilgenommen, die im Hinblick auf Umsatz, Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl eine repräsentative Verteilung im Hinblick auf die Unternehmensgröße aufweisen.
  • Knapp jeder fünfte Befragte ist davon überzeugt, dass aktivistische Aktionäre pri­mär die Verbesserung der Unternehmensperformance zum Ziel haben, oft begleitet von personellen Wechseln im Vorstand oder Aufsichtsrat. 15 % der Befragten glauben, dass die Kapitalausstattung der Aktiengesellschaft verändert werden soll.
  • Aktivistische Aktionäre gehen oft nach demselben Muster vor. Dazu gehören nach den Beobachtungen der Teilnehmer vor allem die extensive Ausübung des Frage­rechts, die direkte Kontaktaufnahme zu Mitgliedern des Vorstands, des Aufsichtsrats oder zu anderen leitenden Managern sowie das gezielte Einleiten öffentlicher Kampagnen gegen das Unternehmen.
  • Knapp zwei von drei Befragten (66 %) gehen davon aus, dass die Aktivitäten aktivistischer Investoren künftig zunehmen werden. Besonders beunruhigt zeigen sich die Befragten aus den Branchen Versicherungen & Finanzdienstleister.
  • Doch nur 38 % der befragten Unternehmen haben bereits eine Gegenstrategie entworfen und dann beschränken sie sich mehrheitlich auf kommunikative und strategische Maßnahmen.
  • 37 % der befragten Unternehmen sind bereits verstärkt von Aktivitäten aktivistischer Investoren betroffen.
  • Vier von fünf der befragten Unternehmen (82 %) halten die Gefahr, zum Ziel von Short Attacks zu werden, für unwahrscheinlich oder eher unwahrscheinlich. Ein Viertel der Teilnehmer kann oder will das dagegen nicht ausschließen. Knapp 7 % halten sol­che Angriffe für wahrscheinlich.
  • Die Hauptangriffspunkte der Short Seller sind aus Sicht der Befragten eine undurchsichtige Unternehmensstruktur, unzureichende Geschäftsmo­delle und Versäumnisse bei der Corporate Governance. Ein hoher Anteil entfällt auch auf „sonstige″ Angriffspunkte. Dem breiten Publikum sind die möglichen Angriffspunkte eher unbekannt, nicht aber kundigen oder gründlich recherchierenden Marktteilnehmern – willkommene Einfalls­tore für Short Seller.
  • Nur etwa jede vierte befragte Aktiengesellschaft hat einen Abwehrplan gegen Short Seller entwickelt. Und wenn das der Fall ist, beschränkt er sich auf die Beobachtung der Handelsbewe­gungen und auf verstärkte Kommunikation mit Meinungsbildnern.

Neue Entwicklungen im Bereich des Investor Activism im Auge behalten

Wenn es sich bewahrheitet, dass die Zahl von Short Attacks künftig noch zunehmen wird, kann eine verantwortungs­volle Unternehmensleitung nicht darauf verzichten, sich mit dem Thema auseinanderzu­setzen. Sie muss sich die Frage stellen, ob das eigene Unternehmen als Angriffsziel in Betracht kommt und gegebenenfalls angemessene Vorbereitungen treffen.

Dasselbe gilt im Hinblick auf die Tätigkeit aktivistischer Aktionäre, wobei wir den Eindruck haben, dass viele Unternehmen insoweit besser gewappnet sind. In mehreren juristischen Beiträgen zur Studie befassen sich Rechtsanwälte unserer Kanzlei mit den rechtlichen Handlungsoptionen, die Unternehmen im Fall von Short Attacks oder des Auftretens aktivistischer Aktionäre haben.

Insgesamt dürfte es im Umgang mit dem Phänomen des Investor Activism künftig vor allem wichtig sein, auf der Höhe der Zeit zu bleiben und auf neue Entwicklungen schnell und adäquat reagieren zu können. Dies auch angesichts des hohen Tempos, in dem sich die Märkte und Kapi­talmärkte ändern.

Auch Anwälte und Unternehmensjuristen sind gegenüber ihren Mandanten und Unternehmen in der Pflicht, die Beratungsansätze ständig und stetig weiterzuentwickeln. Mit Vorlage der Studie „Investor Activism″ hoffen wir, dazu einen kleinen Beitrag leisten zu können.

Tags: BUJ Investor Activism Studie


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