25. April 2017
Private Equity Strategien
Private Equity

Welche Strategien verfolgen Private Equity Gesellschaften?

Bei Private Equity Transaktionen verfolgen Private Equity Gesellschaften als Finanzinvestoren durch die Beteiligung an Unternehmen verschiedene Strategien.

In Deutschland liegt der Fokus der Investitionen von Private Equity Gesellschaften bzw. Private Equity Fonds auf dem Mittelstand. Laut einer Statistik des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BKV) legen 94% aller Beteiligungsgesellschaften den strategischen Fokus ihrer Investitionen auf mittelständische Unternehmen mit Umsätzen bis zu EUR 100 Mio. Dabei legen rund 87% der Private Equity Gesellschaften den Fokus auf Transaktionsvolumen von bis zu EUR 50 Mio., wobei Management Buy-Outs und Wachstumsfinanzierungen laut der Statistiken überwiegen. Sanierungsfälle spielen bei Private Equity Transaktionen dagegen eine eher untergeordnete Rolle.

Primäres Ziel jeder Private Equity Gesellschaft ist es, die erworbene Beteiligung an dem Unternehmen nur für einen gewissen Zeitraum zu halten (regelmäßig bis zu sieben Jahren) und im Anschluss die Beteiligung wieder gewinnbringend zu veräußern.

Bei der entsprechenden Investitionsentscheidung einer Private Equity Gesellschaft spielt die Internal Rate of Return (IRR), mit anderen Worten die Rendite, auf das eingesetzte Kapital eine entscheidende Rolle. Ist absehbar, dass die Investition einen IRR von 15% bis 20% nicht erzielen kann, wird in der Regel von der Transaktion Abstand genommen.

Die im Zusammenhang mit der Erreichung des vorgenannten primären Ziels von den Private Equity Gesellschaften angewandten Strategien sind vielfältig. Die wichtigsten dieser Strategien wollen wir im Nachfolgenden kurz darstellen.

Die Strategien richten sich nach dem Lebenszyklus des Unternehmens

Grundsätzlich kann bei den von den Private Equity Gesellschaften verfolgten Strategien danach differenziert werden, in welchem Stadium sich die Zielunternehmen befinden (Start-Up, wachsendes Unternehmen, Sanierungsfall).

Auf der Grundlage dessen kann letztlich zwischen den nachfolgenden vier grundlegenden Private Equity Strategien unterschieden werden: 1) der Venture Capital Strategie, 2) der Buy-Out Strategie, 3) der Turnaround Strategie, und 4) der Mezzanine Strategie.

Venture Capital Strategie

Die Venture Capital Strategie lässt sich am besten mit „Wagnisinvestment″ umschreiben. In diesem Bereich investieren Private Equity Gesellschaften in neu gegründete oder im Aufbau befindliche junge Unternehmen bzw. Start-Ups. Sie statten diese Unternehmen mit Eigenkapital aus, um den Ausbau oder die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs zu gewährleisten.

Da die meisten Unternehmen – in oder kurz nach der Gründungsphase – noch keine schwarzen Zahlen schreiben, handelt es sich bei dieser Private Equity Strategie um eine der risikoreichsten Private Equity Strategien. Dennoch besteht für die Private Equity Gesellschaft im Erfolgsfall ein hohes Renditepotential. Oftmals erfolgt ein Exit der Private Equity Gesellschaft bei Venture Capital Investments über einen Börsengang des Unternehmens. In diesem Fall hängen die im Falle eines Exits zu erzielenden Gewinne stark von der Verfassung der Aktienmärkte zum Zeitpunkt des Börsengangs ab.

Buy-Out Strategie

Im Bereich Buy-Out Strategie kaufen oder beteiligen sich Private Equity Gesellschaften an bereits bestehenden und am Markt etablierten Unternehmen, die sich nicht mehr in der Aufbauphase befinden (sog. Institutional Buy-Out). Nach dem Erwerb des Unternehmens wird dieses in der Regel grundlegend restrukturiert, was unter Umständen auch den Verkauf oder Hinzukauf einzelner Geschäftsbereiche des Unternehmens beinhalten kann.

Der Exit erfolgt im Bereich des Institutional Buy-Outs in aller Regel entweder über einen Börsengang, oder aber einen Verkauf der Beteiligung an einen strategischen Investor (sog. Trade Sale) oder einen anderen Finanzinvestor (sog. Secondary Buy-Out). Die Renditechancen im Bereich Buy-Out Investment hängen mithin zu einem großen Teil von der Marktstellung des Unternehmens und möglichen Umstrukturierungsmaßnahmen ab.

Zur Erzielung weiterer Wettbewerbsvorteile fokussieren sich überdies viele Private Equity Gesellschaften im Bereich der Buy-Out Investments auf eine der nachfolgenden Kategorien: Bestimmte geographische Regionen oder bestimmte Industrien oder Branchen.

Turnaround Strategie

Im Falle einer Turnaround Strategie investieren Private Equity Gesellschaften in Unternehmen, welche sich in der Krise befinden, bzw. bei denen unter Umständen sogar die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens (Sanierungsfall) droht. Die Renditechancen hängen hierbei im Wesentlichen von den Erfolgsaussichten einer Restrukturierung des Unternehmens ab.

In der Regel wird für das Unternehmen ein Sanierungsplan von der Private Equity Gesellschaft selbst entwickelt und umgesetzt und erst nach erfolgreicher Sanierung des Unternehmens erfolgt der Exit der Private Equity Gesellschaft.

Mezzanine Strategie

Schließlich gibt es noch die Mezzanine Strategie. In diesem Fall erwirbt die Private Equity Gesellschaft keine Beteiligung am Unternehmen, sondern stellt ihm lediglich Fremdkapital in Form eines nachrangigen Darlehens zur Verfügung. Als Gegenleistung für die Zurverfügungstellung des nachrangigen Darlehens erhält die Privat Equity Gesellschaft regelmäßig Genussscheine, Options- oder Wandlungsrechte.

Nachrangige Darlehen werden von Banken in der Regel als Eigenkapital qualifiziert, sodass sich durch die zur Verfügung Stellung eines nachrangigen Darlehens das Eigenkapital des Unternehmens erhöht und dieses daher in der Regel eine bessere Bonitätsbewertung von Banken mit Blick auf Basel II und III erhält.

Ziel der Private Equity Gesellschaften: Wertsteigerung des Unternehmens

Unabhängig von der Art des Unternehmens in welches die jeweilige Private Equity Gesellschaft investiert versuchen diese ihre Renditeziele und eine damit einhergehende Wertsteigerung des Unternehmens typischerweise durch die nachfolgenden Maßnahmen zu erzielen.

Durch eine hohe Fremdkapitalquote beim Erwerb

Das Renditeziel und die damit im Zusammenhang stehende Wertsteigerung des Unternehmens versucht die Private Equity Gesellschaft unter anderem durch den Einsatz von Fremdkapital beim Erwerb des Unternehmens zu erreichen. Ein mit hohen Fremdkapitalanteil finanzierter Unternehmenskauf – im Rahmen einer strukturierten Finanzierung – wird auch als Leveraged Buy-Out (LBO) bezeichnet.

Der hohe Fremdkapitalanteil bei der Finanzierung des Erwerbs hat regelmäßig eine Hebelwirkung für die Rendite des für den Erwerb des Targets eingesetzten Eigenkapitals (Leverage-Effekt) zur Folge. Dies liegt daran, dass sich durch den geringen Einsatz von Eigenmitteln eine hohe Eigenkapitalrentabilität erzielen lässt.

Eine hohe Eigenkapitalrendite setzt jedoch voraus, dass die Gesamtkapitalrentabilität höher ist als die Fremdkapitalzinsen. Überdies ist es oftmals Voraussetzung für die Fremdkapitalgewährung durch die finanzierenden Banken im Falle eines Leveraged Buy-Out, dass sämtliche aus der Kreditfinanzierung resultierende Zinsen und Tilgungen (sog. Kapitaldienste) aus dem Cashflow des Unternehmens bedient werden können. Darüber hinaus dient das Vermögen des Unternehmens im Falle eines Leverage Buy-Out häufig als Sicherheit für die Fremdfinanzierung (Bsp.: Anteilsverpfändung, Raumsicherungsübereignung).

Durch die Vornahme gezielter Umstrukturierungsmaßnahmen im Unternehmen

Des Weiteren wird versucht durch gezielte Umstrukturierungsmaßnahmen den Wert des Unternehmens zu steigern. Die Umstrukturierungsmaßnahmen können je nach Target verschiedenste Formen annehmen. Oft zielen diese Maßnahmen auf eine Optimierung der Steuerlast des Unternehmens ab. Überdies wird häufig die Finanzierung des Unternehmens umstrukturiert und es werden liquiditätserhöhende Maßnahmen vorgenommen. Letzteres ist auch vor dem Hintergrund von Bedeutung, dass das für den Erwerb des Unternehmens aufgenommene Fremdkapital regelmäßig aus dem operativen Cashflow bedient wird und daher für ausreichend Liquidität im Unternehmen gesorgt werden muss.

Ferner werden nicht betriebsnotwendige Wirtschaftsgüter des Unternehmens oftmals bereits vorab vor dem Exit veräußert.

Durch Incentivierung des Managements

Um eine entsprechende Steigerung des Unternehmenswerts zu erzielen, wird bei Private Equity Transaktionen überdies häufig die Geschäftsführung des Unternehmens am Unternehmen oder am Erwerbsvehikel (sog. AquiCo) beteiligt. Hierdurch soll ein möglichst großer Anreiz für die Geschäftsführung des Unternehmens, welches das Unternehmen in der Regel auch nach Vollzug der Private Equity Transaktion weiterleitet, geschaffen werden eine Steigerung des Unternehmenswerts herbeizuführen. Hierdurch partizipiert die Geschäftsführung an den Chancen und Risiken der Unternehmensentwicklung.

Durch gezielte Exit Strategie

Schließlich soll die Renditeerwartung auch durch den Exit der Private Equity Gesellschaft erfüllt werden, sodass der Ausstieg bereits bei Erwerb der Beteiligung am Unternehmen zielgerichtet miteingeplant wird.

Mit Exit Strategie ist die bezüglich der Beteiligung am Unternehmen verfolgte Verkaufsstrategie gemeint. Als Exit der Private Equity Gesellschaft kommen unterschiedliche Möglichkeiten in Betracht. Die Private Equity Gesellschaft kann die Beteiligung am Unternehmen beispielsweise an einen strategischen Investor (sog. Trade Sale), einen anderen Finanzinvestor (sog. Secondary Buy-Out) oder aber an die Geschäftsführung des Unternehmens (sog. Management Buy-Out) veräußern. Möglich ist es jedoch auch, die Beteiligung am Unternehmen über die Börse durch einen Börsengang des Unternehmens (Initial Public Offering, sog. IPO) zu veräußern.

Unsere Beitragsreihe stellt wichtige Aspekte rund um das Thema Private Equity dar. Bereits erschienen ist ein Beitrag zum Thema „Beteiligungskapital für Anteile an Unternehmen″, zu den Beteiligten und Akteuren einer Private Equity Transaktion und über die Besonderheiten des Private Equity sowie zu den Zahlen und Fakten und der Frage: Private Equity Fonds – Woher kommt das Geld? Zuletzt erschienen sind Beiträge über die Zusammenarbeit mit einem Private Equity Investor, über die Finanzierung von Private Equity Transaktionen, zum Management bei Private-Equity-Transaktionen und die Einbringung von Private Equity Gesellschaften in die Portfoliounternehmen.

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